Die 12 Aszendenten
Der Aszendent ist das Tierkreiszeichen, das im Augenblick deiner Geburt am östlichen Horizont aufging; die astrologische Tradition liest daraus, wie ein Mensch auftritt und der Welt begegnet, während das Sonnenzeichen für den inneren Kern steht.
Wie die Tradition einen Aszendenten liest
Astronomisch ist der Aszendent ein Schnittpunkt: die Stelle, an der die Ekliptik, also die scheinbare Jahresbahn der Sonne, den Osthorizont des Geburtsorts kreuzt. Das Zeichen, in das dieser Punkt fällt, nennt man kurz „den Aszendenten“. Er beginnt das erste Haus, und mit ihm wird das ganze Horoskop überhaupt erst nach Häusern gegliedert.
Astrologen verbinden das aufsteigende Zeichen mit dem ersten Eindruck, mit Haltung, Temperament und der spontanen Art, auf Neues zuzugehen. Gern wird es mit einer Haustür verglichen: Man sieht sie zuerst, aber sie verrät nicht alles, was dahinter liegt. Gelesen wird außerdem der Planet, der das Zeichen beherrscht, der sogenannte Herrscher des Aszendenten; seine Stellung im Horoskop gilt in vielen Schulen als roter Faden der ganzen Deutung. Auch der genaue Grad zählt: Ein Aszendent auf 1° liegt dicht am vorigen Zeichen, einer auf 29° kurz vor dem nächsten.
Welches der zwölf Zeichen bei dir aufging, rechnet der Aszendent-Rechner aus Datum, Uhrzeit und Ort auf die Bogenminute genau aus.
Was ihn vom Sonnenzeichen unterscheidet
Das Sternzeichen aus der Zeitschrift ist das Sonnenzeichen: Es hängt nur vom Geburtstag ab, weil die Sonne gut einen Monat in jedem Zeichen verweilt. Der Aszendent dagegen folgt der täglichen Drehung der Erde. Zwei Kinder, die am selben Vormittag in derselben Klinik zur Welt kommen, teilen das Sonnenzeichen, können aber verschiedene Aszendenten haben, wenn zwischen ihren Geburten einige Stunden liegen.
In der Deutung ergänzen sich beide. Die Sonne beschreibt nach klassischer Lesart Wille und Lebensmitte, der Aszendent die Art, wie dieser Kern nach außen tritt. Wer etwa Sonne im Stier und Aszendent Zwillinge hat, wird in der Tradition als ruhiger Mensch mit beweglicher, gesprächiger Fassade beschrieben. Deshalb zeigt jede Seite eines Aszendenten auch, wie er mit Sonnenzeichen aus Feuer, Erde, Luft und Wasser zusammenklingt.
Warum nicht jedes Zeichen gleich lange aufgeht
Teilt man 24 Stunden durch zwölf Zeichen, käme man auf je zwei Stunden. So gleichmäßig ist der Himmel aber nicht. Weil die Ekliptik schräg zum Himmelsäquator steht, steigen manche Abschnitte des Tierkreises flach und rasch über den Horizont, andere steil und langsam. In Berlin braucht der Widder kaum fünfzig Minuten, ebenso die Fische; Löwe, Jungfrau, Waage und Skorpion dagegen lassen sich jeweils knapp drei Stunden Zeit.
Daraus folgt etwas, das viele überrascht: Die Aszendenten sind nicht gleich häufig. Über das Jahr gesehen fällt jede Uhrzeit gleich oft auf jede Sternzeit, also hat in Mitteleuropa ein Löwe-Aszendent mehr als dreimal so viele Träger wie ein Widder-Aszendent. Ein seltener, schnell aufsteigender Aszendent ist zudem heikel: Zieht ein ganzes Zeichen in einer knappen Stunde vorbei, verschiebt schon eine ungenau notierte Viertelstunde den Grad erheblich und nicht selten das Zeichen. Die alte Astrologie kannte das als Zeichen „kurzer“ und „langer Aufsteigung“; auf der Südhalbkugel kehrt sich das Verhältnis um.
Der Deszendent: das Zeichen gegenüber
Was im Osten aufsteigt, hat im Westen sein Gegenstück. Der Deszendent ist der Punkt, an dem die Ekliptik im selben Moment untergeht, und er liegt immer genau 180° vom Aszendenten entfernt, also im gegenüberliegenden Zeichen und auf demselben Grad. Ein Aszendent Krebs auf 12° hat demnach den Deszendenten Steinbock auf 12°.
Der Deszendent eröffnet das siebte Haus. Astrologen lesen ihn als das, was ein Mensch im Gegenüber sucht: in Partnerschaften, in Bündnissen, auch in offenen Konflikten. Aszendent und Deszendent bilden so eine Achse von Ich und Du, und viele Deutungen betrachten beide Enden zusammen, statt das eine ohne das andere zu beschreiben.
Widder
Der Widder eröffnet den Tierkreis, und Mars regiert ihn. Astrologen lesen den Widder-Aszendenten als schnellen Auftakt: unmittelbar, ungeduldig, auf den ersten Schritt aus. Zugleich ist er einer der seltensten Aszendenten Mitteleuropas, weil er in Berlin nach kaum fünfzig Minuten schon wieder vom Stier abgelöst wird. Gegenüber am Westhorizont steht die Waage mit Venus; zusammen bilden beide Zeichen die alte Achse von Angriff und Ausgleich, von Ich und Gegenüber.
Aszendent Widder lesen →Stier
Venus herrscht über den Stier wie über die Waage, doch im Erdzeichen zeigt sie nach alter Lehre ihre stille, sinnliche Seite. Astrologen verbinden den Stier-Aszendenten mit Gelassenheit, einem langsamen Tempo und Treue zu dem, was sich bewährt hat; der Mond gilt hier als erhöht. In Berlin bleibt das Zeichen gut eine Stunde am Horizont. Am Deszendenten wartet der Skorpion, Partner einer festen, schwer zu verrückenden Achse.
Aszendent Stier lesen →Zwillinge
Merkur regiert Zwillinge und Jungfrau, doch im Luftzeichen zeigt er nach alter Lehre seine neugierige, redselige Seite statt der prüfenden. Astrologen beschreiben den Zwillinge-Aszendenten als beweglich, kontaktfreudig und schwer festzulegen, ganz im Sinn eines Zeichens mit zwei Gestalten. In Berlin steigt er rund eindreiviertel Stunden auf, als letzter der schnellen Aufgänge vor dem langsamen Krebs. Im Westen antwortet der Schütze mit Jupiter.
Aszendent Zwillinge lesen →Krebs
Der Krebs ist das einzige Zeichen, das der Mond regiert. Steht er am Aszendenten, liest die Tradition den Mond des Horoskops als Schlüssel der ganzen Deutung: Zeichen und Haus des Mondes färben, wie behutsam oder offen jemand auftritt. Über Berlin dauert sein Aufgang etwas mehr als zweieinhalb Stunden. Gegenüber, im Westen, liegt der Steinbock: Mond und Saturn bilden damit die Achse zwischen eigener Person und Partnerschaft.
Aszendent Krebs lesen →Löwe
Der Löwe ist das einzige Zeichen, das die Sonne allein regiert, und am Aszendenten verbinden Astrologen ihn mit Präsenz, Großzügigkeit und dem Wunsch, gesehen zu werden. Gegenüber, am Deszendenten, liegt der Wassermann. In Mitteleuropa steigt der Löwe langsam auf: In Berlin braucht er knapp drei Stunden für seine 30 Grad, weshalb er zu den vier häufigsten Aszendenten zählt. Im August fällt er auf die Stunden kurz vor Sonnenaufgang.
Aszendent Löwe lesen →Jungfrau
Kaum ein Zeichen bleibt so lange am Osthorizont wie die Jungfrau: in Berlin 2 Stunden und 53 Minuten, gleichauf mit der Waage. Entsprechend oft taucht sie als Aszendent auf. Ihr Herrscher Merkur regiert auch die Zwillinge, doch die Tradition liest ihn hier anders, als prüfenden, ordnenden Verstand statt als Neugier. Gegenüber steht der Deszendent Fische, das Zeichen von Jupiter und Neptun.
Aszendent Jungfrau lesen →Waage
Die Waage beginnt dort, wo die Sonne im September den Himmelsäquator nach Süden kreuzt. Am Aszendenten verbindet die Tradition sie mit Takt, Diplomatie und dem Wunsch nach Gleichgewicht. Ihre Herrscherin Venus teilt sie mit dem Stier, hier aber im Luftelement. In Berlin steigt sie fast drei Stunden lang auf, genau wie die Jungfrau. Am Deszendenten steht der Widder: Venus im Osten, Mars im Westen.
Aszendent Waage lesen →Skorpion
Der Skorpion ist das Zeichen mit der wohl bekanntesten Doppelherrschaft: Mars regierte ihn in der antiken Lehre, Pluto kam im 20. Jahrhundert hinzu. Am Aszendenten beschreibt ihn die Tradition als zurückhaltend und zugleich durchdringend, als fixes Wasserzeichen mit langem Atem. Den Deszendenten bildet der Stier. In Berlin bleibt der Skorpion knapp drei Stunden am Osthorizont; in den Novembermorgen fällt er mit dem Sonnenaufgang zusammen.
Aszendent Skorpion lesen →Schütze
Der Schütze, ein bewegliches Feuerzeichen, gehört alt wie modern allein Jupiter. Am Aszendenten verbinden Astrologen ihn mit offenem Auftreten, Lust auf Debatten und dem Blick aufs große Ganze. Sein Deszendent liegt in den Zwillingen, wo Merkur herrscht, ausgerechnet der Planet, der im Schützen im Exil steht. In Berlin braucht er gut zweieinhalb Stunden für seinen Aufgang, ein häufiger Aszendent also. Im Dezember fällt er auf die Zeit um den Sonnenaufgang.
Aszendent Schütze lesen →Steinbock
Der Steinbock, ein kardinales Erdzeichen, ist Saturns Nachthaus und behält, anders als der Wassermann, auch in der modernen Astrologie Saturn als einzigen Herrscher. Am Aszendenten verbinden Astrologen ihn mit Ernst, Beharrlichkeit und einem Aufstieg Stufe für Stufe. Ihm gegenüber steht der Deszendent Krebs, über den der Mond herrscht. In Berlin hält sich der Steinbock rund eindreiviertel Stunden im Osten und kommt damit seltener vor als Löwe oder Waage.
Aszendent Steinbock lesen →Wassermann
Der Wassermann ist ein fixes Luftzeichen mit zwei Herrschern: Saturn in der Tradition, Uranus seit dessen Entdeckung 1781 in der modernen Astrologie. Am Aszendenten verbindet man ihn mit einem freundlichen, unabhängigen und etwas distanzierten Auftreten. Sein Deszendent fällt in den Löwen, das Zeichen der Sonne. In Berlin braucht er nur gut eine Stunde für seinen Aufgang und gehört deshalb zu den seltenen Aszendenten Mitteleuropas.
Aszendent Wassermann lesen →Fische
Die Fische schließen den Tierkreis ab und werden von zwei Planeten regiert: Jupiter in der klassischen, Neptun in der modernen Astrologie. Am Aszendenten verbindet die Tradition sie mit Einfühlung, Fantasie und einer durchlässigen Grenze zur Umgebung; den Deszendenten bildet die Jungfrau. In Berlin geht das Zeichen in kaum fünfzig Minuten auf, sodass eine um eine Viertelstunde falsche Geburtszeit schon den Aszendenten ändern kann.
Aszendent Fische lesen →
Und jetzt?
Häufige Fragen
Was ist das Aszendent-Sternzeichen?
Gemeint ist das Tierkreiszeichen, das zur Minute deiner Geburt am Osthorizont deines Geburtsorts aufstieg. Anders als das Sonnenzeichen, das am Geburtstag hängt, wechselt es im Laufe eines Tages durch alle zwölf Zeichen. Bestimmen lässt es sich deshalb nur mit Uhrzeit und Ort; aus dem Datum allein ergibt es sich nicht.
Was bedeutet der Aszendent?
In der astrologischen Tradition steht der Aszendent für die äußere Erscheinung, das Temperament und die Art, wie jemand auf andere zugeht. Er markiert den Beginn des ersten Hauses und damit den Ausgangspunkt der Häuserdeutung. Viele Astrologen achten zusätzlich auf seinen Herrscherplaneten, dessen Stellung im Horoskop sie als Leitmotiv lesen.
Ist der Aszendent oder das Sternzeichen wichtiger?
Eine feste Rangfolge gibt es nicht; die Schulen gewichten unterschiedlich. Die klassische Astrologie legte großen Wert auf den Aszendenten und seinen Herrscher, die populäre Zeitungsastrologie arbeitet fast nur mit dem Sonnenzeichen. Die meisten Deutungen lesen beide zusammen: die Sonne als Kern, den Aszendenten als die Form, in der dieser Kern sichtbar wird.
Welche Aszendenten gibt es?
Es gibt zwölf, so viele wie Tierkreiszeichen, von Widder bis Fische. Häufig sind sie aber nicht im gleichen Maß: In Mitteleuropa steigen Löwe bis Skorpion jeweils fast drei Stunden lang auf, Widder und Fische nur rund fünfzig Minuten. Entsprechend öfter begegnet man Menschen mit einem Aszendenten aus der Mitte des Tierkreises.
Wie berechnet man den Deszendent?
Kennst du den Aszendenten, kennst du auch den Deszendenten: Er liegt exakt gegenüber, 180° weiter auf der Ekliptik. Aus einem Aszendenten Zwillinge auf 20° wird also ein Deszendent Schütze auf 20°. Den Aszendenten selbst gewinnt man aus Geburtszeit in Weltzeit, Sternzeit des Geburtsorts, geografischer Breite und der Neigung der Ekliptik.